Das Konzept der Nachhaltigkeit
Das Konzept der Nachhaltigkeit ist erstmals Anfang des 18. Jahrhunderts in der Forstwirtschaft aufgetaucht. Der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz führte den Begriff der Nachhaltigkeit in seinem forstwirtschaftlichen Werk „Sylivicultura Oeconomica: Die naturgemäße Anweisung zur wilden Baumzucht“ ein. Dabei erkannte er die simple Lösung für die Probleme in der Baumzucht: Die Menge der Baumernte darf die
Menge der nachwachsenden Bäume nicht überschreiten. (Vgl. Baumgartner/Röhrer, 1998, S. 15.)
1972 wurde dem Begriff der Nachhaltigkeit eine international tragbare Untermauerung auf der United Nations Conference on Human Environment in Stockholm gegeben. Unter der Ausführung des „ecodevelopment“ erkannte man, „dass die Probleme der Menschheit nicht ohne ökologisches Denken und vor allem nicht ohne die Berücksichtigung sozialer und wirtschaftlicher Fragen gelöst werden können“. (Baumgartner/Röhrer, 1998, S. 16.)
In dem so genannten Brundtland-Bericht von 1987 geht das Konzept der Nachhaltigkeit noch ein Stück weiter und definiert „sustainable development“ als umweltpolitische Leitidee:
„Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“ (United Nations, 2010.)
Damit etablierte sich die Idee der Nachhaltigkeit als politisches Konzept auf internationaler Ebene. Mit dem Brundtland-Bericht wurde darüber hinaus zum ersten Mal das heute bekannte Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit entwickelt, welches sich auf die Bereiche Ökonomie, Ökologie und Soziales stützt.
Die Rio-Konferenz der Vereinten Nationen im Jahr 1992 ist als Wegweiser in der modernen Entwicklung des Nachhaltigkeitskonzeptes zu verstehen. Erstmals haben sich Regierungen mit ihrer Unterschrift dem Leitbild der Nachhaltigkeit verpflichtet. In der Präambel des von 150 Staaten unterschriebenen Programms, der Agenda 21, heißt es:
„Die Menschheit steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte. Wir erleben eine zunehmende Ungleichheit zwischen Völkern und innerhalb von Völkern, eine immer größere Armut, immer mehr Hunger, Krankheit und Analphabetentum sowie eine fortschreitende Schädigung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhängt. Durch eine Vereinigung von Umwelt- und Entwicklungsinteressen und ihre stärkere Beachtung kann es uns jedoch gelingen, die Deckung der Grundbedürfnisse, die Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen, einen größeren Schutz und eine bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte, gedeihlichere Zukunft zu gewährleisten.“ (Vgl. Loew et al, 2004, S. 58.)
Schließlich wurde im Jahr 2000 der Agenda 21 ein konkretes Programm an die Seite gestellt, die so genannten Milleniumsziele. Auf dem Milleniumsgipfel der Vereinten Nationen in New York wurden acht Ziele festgelegt, die bis 2015 erreicht werden sollen. Darunter unter anderem, die Reduzierung der Armut um die Hälfte. Allerdings wurde bereits im Jahr 2009 festgestellt, dass dieses Ziel wohl nicht erfüllt werden kann, vor allem
auf Grund der Weltwirtschaftskrise und den dadurch steigenden Lebenshaltungskosten.
Die letzte Entwicklung in Sachen Nachhaltigkeit fand im Jahr 2002 auf dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg statt. Dabei ging es vor allem um die Fortsetzung der Vereinbarungen von Rio in Zeiten der Globalisierung und des technischen Fortschritts.
Nachhaltigkeit im Tourismus
Wie zuvor bereits genauer erläutert, gliedert sich Nachhaltigkeit in die Bereiche Ökonomie, Ökologie und Soziales. Diese Dreiteilung ist auch für die Nachhaltigkeit im Tourismus anzuwenden, da sie die direkten Auswirkungen als Schnittstelle vereint. Dabei ist in jedem Fall ein gleichrangiger Stellenwert der drei Dimensionen zu beachten. Nachhaltige Entwicklung ist nur dann nachhaltig, wenn die drei Dimensionen miteinander verknüpft betrachtet werden.
In der ökologischen Dimension sind vor allem die naturgegebenen Ressourcen zu beachten. Es dürfen nicht mehr erneuerbare Ressourcen verbraucht werden, als nachwachsen können und der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen darf maximal so hoch sein, wie vergleichbare Substitute erzeugt werden können. Ebenfalls von Bedeutung ist die Minimierung von Reststoff- und Abfallmengen. Natürlich muss prinzipiell die Bewahrung der Natur- und Kulturlandschaft sichergestellt werden.
Die ökonomische Dimension beschäftigt sich nicht mit dem Streben nach sozial vertretbarer Maximierung des Gewinns der Unternehmer, sondern mit der Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse. Dies beinhaltet die Gewährleistung eines Mindestlebensstandards sowie ein menschliches Produktionssystem, das von Gemeinsamkeit und nicht von Ausbeutung lebt.
Die soziale Dimension geht auf die lokale Bevölkerung ein. Hierbei ist eine Emanzipation dieser anzustreben, um eine Partizipation am Tourismus möglich zu machen. Durch einen gesellschaftlich verantwortlichen Tourismus wird das jeweilige Gesellschafts- und Wertesystem gestützt, um die soziale Destruktion zu verhindern.
Es liegt nahe, Nachhaltigen Tourismus im Zuge des Prozesses der Nachhaltigkeitsentwicklung wie folgt zu definieren, um damit auf Bekanntes und Etabliertes zurückzugreifen und um vor allem die Nachhaltigkeit zu betonen.
“Sustainable tourism development can be thought of as meeting the needs of the present tourist and host regions while protecting and enhancing opportunity for the future.” (WTO, 1996.)