São Tomé & Príncipe Reisebericht: Gaumenschmaus, Traumstrände und ein Volksfest

Im Februar 2017 war unser Reiseleiter Wolfgang Stoll auf der 16-tägigen Wander- und Erlebnisreise „São Tomé & Príncipe: Versteckter Inselarchipel“ mit seiner Reisegruppe unterwegs und berichtet jetzt von ihren Erlebnissen:

Besonders bei einem so kalten Winter in Deutschland wie dieses Jahr, kann es Sinn machen auf dem Weg nach São Tomé einen kleinen Zwischenstopp in Lissabon einzulegen. Und so wissen einige Reiseteilnehmer schon Interessantes aus der portugiesischen Hauptstadt zu berichten, als sich die Gruppe am Flughafen von São Tomé versammelt. Am Abend lernen wir uns dann bei einem gemeinsamen, sehr leckeren Begrüßungsessen mit viel frischem Fisch noch besser kennen. Außerdem hat jeder die Chance, bei unserem Geldwechsler Jay Jay mit wenigen Euroscheinen zum Dobramillionär zu werden!

Sao Tome und Principe Reise: Frischer Fisch

Sao Tome und Principe Reise: Frischer Fisch am Strand

Am nächsten Morgen, vor allem das Obst beim Frühstück hatte begeistert, begeben wir uns auf einen Stadtrundgang. Das ehemalige Fort, von den Portugiesen erbaut im Jahre 1575 um Angriffe von Franzosen, Holländern und Piraten abzuwehren, beherbergt heute das Nationalmuseum. Alte Einrichtungsgegenstände von Roças, sakrale Kunst, Erinnerungen an die Unabhängigkeitsbewegung finden dort ebenso ihren Platz wie Informationen zu den Schildkröten, die an den Stränden ihre Eier ablegen. Im Anschluss daran begutachten wir den bunten, lauten und quirligen Markt, bevor wir die Ostküste gen Süden fahren. Auf der Fahrt besuchen wir die Roça Água-Izé, in der heute wie früher der meiste Kakao verarbeitet wird. Von dieser Frucht, die den Kolonialherren vor hundert Jahren noch riesige Gewinne eingebracht hat, wird heute aus verschiedenen Gründen nur noch ein Bruchteil der Bohnen exportiert. Trotzdem beträgt der Anteil des Kakaos an den Gesamtexporten des kleinen Landes noch immer über 90%. Hier lernen wir ein wenig über die Fermentierung, Trocknung und Sortierung der Kakaobohnen, die, wie auch beim Kaffee üblich, fast ausschließlich als Rohware ihren Weg nach Europa antreten, wo sie zu den Endprodukten, wie Schokolade, verarbeitet werden. So kommt man in die absurde Situation, Schokolade der bekannten Marken im Supermarkt zu finden, für die hier der dreifache Preis verlangt wird oder Nesquick Kakao für die Frühstücksmilch zu bekommen, obwohl an jeder Ecke Kakao angepflanzt wird.

Die nächsten drei Nächte verbringen wir in der Roça São João, die vom berühmten TV-Koch João Carlos Silva betrieben wird. Zwar wurden einige Veränderungen an dem Kolonialgebäude vorgenommen, aber noch immer können wir hier die Geschichte atmen. Wir erleben einen großartigen Kochkurs mit anschließendem 12-Gänge Menü, machen unsere erste ausgedehnte Dschungelwanderung, die wir mit einem Bad im warmen Atlantik krönen, und erleben eine unvergessliche Musikvorführung der örtlichen Bulaué-Gruppe.

Das nächste Highlight erwartet uns am Tag darauf: Die kleine Äquatorinsel Rolas geizt nicht mit seinen Reizen und unser Mittagessen mit frischen Fisch und Gemüse findet direkt am Strand statt. Schweren Herzens lassen wir diese Trauminsel hinter uns und fahren zurück in die Hauptstadt, wo wir am Abend noch einen Besuch im Kulturzentrum CACAU einbauen. Am landestypischen Essen, der Live-Musik und Tanz erfreut sich nicht nur unsere „Wiederholungstäterin“ Ingrid.

Principe: Blick über Praia Banana

Principe: Blick über Praia Banana

Am nächsten Tag fliegen wir auf die kleine Schwesterinsel Principe. Die Zeit dort verbringen wir teilweise in der Natur beim Wandern, besuchen aber auch einige verfallene Roças, die von der Natur nach und nach überwuchert werden. Von diesen autark funktionierenden, landwirtschaftlichen Anlagen gab es zu Hochzeiten über 200 im Land. Mehr als 40 davon hatten ein eigenes Krankenhaus zur Versorgung der Sklaven und Arbeitern. Im portugiesischen Kolonialstil und robust gebaut, überstanden sie viele Jahrzehnte im tropischen Klima. Doch seit der Unabhängigkeit 1975 fehlt es an Know How, Organisation und Geld. Außerdem wurden viele Hektar Land bei Bodenreformen zerstückelt und an die Bevölkerung verteilt.

Auf Principe wurden und werden einige dieser Roças nun wieder renoviert und als Luxushotel betrieben. Zur sehr edlen Unterkunft der Roça Belo Monte zum Beispiel, gehört nun auch der berühmte Strand Praia Banana. Hier soll in den Neunzigern ein berühmter Werbespot der Rum-Marke Bacardi gedreht worden sein. Das Potential dazu hat er auf jeden Fall und auch wir genießen diesen magischen Ort ein wenig und schnorcheln im kristallklaren Wasser. Wir wissen nicht, dass nur eine Woche später der marokkanische König die komplette Anlage mieten und mit Wohnzelten, Köchen, Vorkostern und der kompletten Entourage dort für einige Tage Urlaub machen wird.

Zurück auf der Hauptinsel São Tomé besuchen wir eine kleine einheimische Firma, die verschiedene Produkte aus den Rohstoffen der Insel herstellt. Marmeladen, Seife, Trockenfrüchte, Tees und andere Dinge können wir im Shop am Ende auch erwerben. Im Anschluss dann die mit Spannung erwartete Schokoladendegustation im Labor von Claudio Corallo. „Sehr gut“, „lecker“, „ausgezeichnet“ oder einfach nur „mmmmmh“ ist so ziemlich alles, was die Gruppe in den nächsten 1 1/2 Stunden von sich gibt. Natürlich gibt es auch hier die Möglichkeit, am Ende im angeschlossenen kleinen Laden für sich oder die Lieben zuhause einige Mitbringsel zu erwerben.

Wanderungen im Dschungel

In den letzten Tagen machen wir zwei weitere Wanderungen, lernen ein wenig die Kaffeeproduktion kennen, baden unter einem Wasserfall, machen eine tolle Fahrradtour und relaxen in einer sehr angenehmen Unterkunft im Norden der Insel. Optional gibt es eine zusätzliche kleine Wanderung zu einem weiteren Wasserfall. Ein Teil der Gruppe lässt es sich nicht nehmen, am freien Tag, dem Feiertag der Märtyrer, zum Ort Fernão Dias zu fahren, um an den örtlichen Feierlichkeiten teilzunehmen. Wir werden belohnt mit einem reichhaltigen kulinarischen Angebot, einer etwas schrägen Gesangseinlage des Kinderchors und einen sehr nahen Blick sowohl auf den Premierminister Patrice Trovoada als auch den Präsidenten Evaristo Carvalho. Besonders amüsieren wir uns über die Paradepolizisten, die wie Ameisen im Gleichschritt über den Festplatz kriechen.

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