Mit Leidenschaft für Wein, Reisen, Ökologie und Kochen: Reiseleiter Ludolf Artymowytsch im Interview

Wein, Wandern und die Natur genießen, mit Weinliebhabern plaudern und mit Kennern in die Welt der Weine und Winzer eintauchen. REISEN MIT SINNEN freut sich, Ludolf Artymowytsch als Wein-Experten und Reiseleiter für die neue Weinreise gewonnen zu haben.

Ludolf Artymowytsch stammt aus der Pfalz, kennt die Menschen hier und beschäftigt sich tagtäglich mit guten Weinen.

Ludolf  Artymowytsch ist seit 18 Jahren Weinhändler in Berlin. Neben einer Szeneweinhandlung mit einer Weinbar in der Markthalle 9 betreibt er auch einen Großhandel für ökologische Weine, die den größten Teil der Berliner Ökoläden beliefert. Als Reiseleiter für unsere neue Aktiv-Wein-Genuss Reise „Gaumenfreuden in Höchstform“ in der Pfalz kann er sein umfassendes Wissen weitergeben. Wir haben ihn zum Thema Biowein, Weinverkostungen, Weinreisen und Wandern interviewt.  

Ludolf, könntest du dich kurz vorstellen und erzählen, wie deine Leidenschaft zum ökologisch angebauten Wein entstand?  

Ich bin in einem Winzerbetrieb in der Pfalz geboren, das Thema Wein ist schon immer ein Teil von mir gewesen, natürlich habe ich auch bei den Weinlesen geholfen. Nach dem Studium und der ersten Zeit der Selbständigkeit in Berlin ging ich zur Übernahme des elterlichen Betriebs wieder zurück in die Pfalz. Vom ersten Moment an war mir klar, dass ich diese Arbeit nur ökologisch angehen will. So gehörte ich 1990 zwar nicht mit zur ersten Generation der Ökowinzer, diese startete bereits Ende der Siebziger, war aber doch sehr früh dabei. Es gab damals noch keine Regeln für den ökologischen Weinbau. Diese wurden erst durch den 1985 gegründeten Verband für ökologisch arbeitende Weingüter „ECOVIN“ festgeschrieben. Seine Mitglieder identifizieren sich mit Artenvielfalt, dem Respekt vor der Natur, mit Sinnhaftigkeit und Ästhetik. Seit 1992 arbeite ich mit Christine Bernhard zusammen, die lange im Vorstand von ECOVIN tätig war. So bin ich immer tiefer in das Thema Ökologischer Weinbau und auch Landwirtschaft eingedrungen. Mehr oder weniger auch in die politischen Dimensionen dieser Idee. In meinem Studium der Erwachsenenbildung begann ich, mich mit den verschiedensten Themen der Menschen auseinanderzusetzen, Gruppen anzuleiten, sowohl auf pädagogischer Ebene als auch auf Motivationsebene. Später machte ich eine weitere Ausbildung in Richtung Körperarbeit und Meditation. In Sachen Wein veranstaltete ich bereits viele Abende mit Weindegustationen in Verbindung mit mehrgängigen Menüs, die ich zum großen Teil auch selbst bekochte. Teils für bis zu 15 Leute, da war mein kleiner Weinkeller auch schon proppenvoll.

Weinverkostung, Weingläser

Wie läuft eine gute Weindegustation überhaupt idealerweise ab?

Im Falle unserer Weinreise werden wir zuerst das Weingut, den Winzer und seine Philosophie kennen lernen um dann nach einer kurzen Stärkung seinen Wein zu probieren. In der Regel beginnen wir mit einem einfachen Weißwein, sprich QbA Wein, um uns dann in den Qualitäten und hin zu Buquetweinen zu steigern, entsprechend kann durchaus auch der Zuckergehalt ansteigen. Dabei werden wir sowohl die Typizität der verschiedenen Weinsorten als auch den Lagencharakter (Terroir) herausarbeiten. Nach 4 bis 5 Weißweinen geht es über den einen oder anderen Roséwein dann zu den Rotweinen und wird gekrönt durch einen Sekt bzw. einen Wein mit hoher Restsüße im Ausleseniveau. Alle Weine werden durch die Winzer und Weinmacher vorgestellt und erläutert.

 

Bei unserer Weinreise in die Pfalz besuchen wir auch ein Ökoweingut. Wie kann Nachhaltigkeit bei Weinen überhaupt gemessen werden?  

Wir besuchen fast nur Ökoweingüter bzw. ökologisch arbeitende Betriebe, da auch in den Spitzenbetrieben des deutschen Weinbaus der Ökogedanke angekommen ist. Wenn du dir als Winzer Gedanken machst, wie du deine Weinqualitäten steigern kannst, deine Böden langfristig fruchtbar hältst, kommst du ganz schnell in Richtung ökologische Bewirtschaftung oder gar Demeteranbau.

Warum passt die Reise-Kombination Wein und Wandern in deinen Augen perfekt zusammen? Wegen des Nachhaltigkeitsaspekts oder Wegen des Genießens?

Für mich ist das wirklich die nachhaltigste Art und Weise Wein, regionales Essen und Kultur kennen und genießen zu können. Schon als junger Mensch begeisterte mich die Idee der Winzer aus meinem Heimatdorf, nämlich die Errichtung einer Weinwanderhütte auf dem besten Aussichtspunkt unseres Weinbergs. Schon damals war es ein Genuss erst 3 bis 4 km durch die Weinberge zu laufen, um dann bei Sonnenschein an der Hütte zu sitzen, den Wein, das Essen, die gute Stimmung der Menschen und den grandiosen Ausblick zu genießen. Gerade im Moment weile ich im Penedès, genieße die Sonne und lass mich immer wieder von der lokalen Küche und den großartigen Weinen und Cavas verwöhnen.   

 

In der Pfalz wird Neustadt oft die „heimliche Weinhauptstadt Deutschlands“ genannt. Stimmt das?

Es ist eher die Region angrenzend an Neustadt z.B. Neustadt-Haardt, Wachenheim, Forst, Deidesheim, mit der höchsten Dichte an deutschen Topweingütern. In den wunderschönen Dörfern ist die Jahrhunderte alte Weintradition an den Gebäuden und Winzerhöfen abzulesen. Weinberge eingebettet in den landschaftlichen Kontrast zwischen Pfälzer Wald und Rheinebene machen den besonderen Reiz aus. Darüber hinaus profitiert die Weinqualität von dieser sonnenüberfluteten Lage gepaart mit der nächtlichen Abkühlung durch den Pfälzer Wald.

Gibt es etwas Besonderes, das ich auf der Pfalz-Weinreise, die du leitest, beachten sollte?

Wetterfeste Bekleidung ist Grundbedingung, da wir ja einige Meter wandern. Ansonsten ist das Wichtigste, neugierig zu bleiben und alle Sinne zu öffnen. Natürlich muss man keine Vorkenntnisse mitbringen, ich richte mich da ganz nach den Vorkenntnissen in der Gruppe und erläutere alles Wichtige. Wenn ich natürlich Wein-Spezialisten dabei habe, freue ich mich sehr, tiefer in die Materie Wein vorzudringen.

Dein Spezialgebiet ist neben der Pfalz auch Katalonien. Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen Pfalz-Weinen und den Weinen aus z.B. Penedès? Ist das Thema ökologischer Weinanbau in Deutschland weiterentwickelt oder gibt es diese Bewegung in Spanien in gleichem Maße?

Den allergrößten Unterschied macht, dass es im Penedès keinen Riesling gibt und die Zahl die Sonnenstunden in Nordspanien erheblich höher ist. Ansonsten ist die Hauptrebsorte im Penedès Xarello, aus dem sehr viel Cava (Sekt)  produziert wird, was auch eines der Hauptunterscheidungsmerkmalen der beiden Regionen ist. (die Vielzahl von Sektkellereien und die Flaschenmenge der Sekterzeugung). Inzwischen ist der ökologische Weinanbau in Spanien fest verankert und hat auf vielen Ebenen mit dem deutschen gleichgezogen. Einer der Pioniere und auch Forscher für ökologischen Weinbau ist Jose Maria Albet, Besitzer des Weinguts Albet i Noya. Mit ihm als Vorreiter und Utopisten liegt die Keimzelle des spanischen Ökoweines im Penedès. Man kann allerdings behaupten, dass die tatsächlichen Pioniere die deutschen Winzer sind.    

Weinreben mit Weintrauben

Weinreisen in Deutschland. Weinkenner im Interview

Die Regale in Supermärkten und bei Weinhändlern sind mittlerweile gut gefüllt mit Bio-Weinen. Ist Biowein gerade besonders populär? Was ist der Unterschied zwischen Bio-Wein und herkömmlichem Wein?

Ich denke nicht nur Biowein, sondern generell Bioprodukte sind in Deutschland sehr populär. Das sieht man an den jährlichen Steigerungsraten der Biobranche insgesamt. Für mich der wichtigste Unteschied ist, dass im ökologische Weinbau bzw. generell im ökologischen Anbau keine Herbizite (Unkrautvernichtungsmittel), keine Insektizide (Insektenvernichtungsmittel) und keine schnelllöslichen mineralischen Dünger, die über kurz oder lang unser Trinkwasser gefährden, angewandt werden. Darüber hinaus gibt es noch einige mehr, z.B. beim Ausbau des Weines im Keller. Generell sind keine genveränderten Produkte und Hilfsmittel erlaubt. Viele meiner Kunden sind der Meinung, dass ihnen ökologische Weine besser bekommen, ein allgemeingültiger Beweis dafür wird schwer zu erbringen sein.In Sachen Nachhaltigkeit, in Bezug auf die Fruchtbarkeit der Böden und die Grundwasserqualität streiten nur noch die Gallionsfiguren der Chemischen Industrie diese Tatsachen ab.    

 

Was ist deiner Meinung nach das größte Wein-Klischee?

Guter Wein muss teuer sein oder in der Umkehrung billiger Wein ist immer schlecht.

Danke dir vielmals, lieber Ludolf, für das interessante Gespräch zum Thema Wein in seinen ganzen Facetten.

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