Äthiopiens vielseitige und eigensinnige Küche
Entgegen der altbekannten Klischees ist Äthiopien ein Land mit hervorragendem Essen – ein bisschen wagemutig sollte man beim Probieren allerdings schon sein…
Nicht erst seit der Dürrekatastrophe der letzten Monate am Horn von Afrikahat sich in den Köpfen der Menschen ein Bild vom hungernden Kontinent festgesetzt. Nachrichten dieser Art erreichen uns leider viel zu häufig und ein Name
scheint in diesem Zusammenhang immer genannt zu werden: Äthiopien. Das Land gilt Vielen als Sinnbild der Armut, des Mangels am Allernötigsten. Die Statistik gibt ihnen Recht – Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt.
Doch allein diese Betrachtungsweise tut dem Land Unrecht. In einem geradezu paradoxen Gegensatz dazu steht die hoch entwickelte Küche des Landes. Auf die Zubereitung der Mahlzeiten wird viel Zeit und Aufwand verwendet, das eigentliche Essen ist eher eine gesellschaftliche Zeremonie als eine reine Nahrungsaufnahme. Gegessen wird mit den Händen und gemeinsam von einem großen Teller. Die typischen Speisen sind weltweit einzigartig und in ihrer Vielseitigkeit und Kreativität eine Überraschung für jeden Besucher.
Nahezu alle äthiopischen Speisen basieren auf einem besonderen Fladenbrot – dem Injera. Es wird aus Teff, einem fast nur im äthiopischen Hochland angebauten Getreide, gewonnen. Übrigens hat Teffeinen sehr hohen Eisen- und Calciumgehalt und enthält kein Gluten. Nachdem die Mehl-Wasser-Mischung einige Tage gegärt hat, wird sie auf heißen Tonplatten zu einem runden, dünnen Fladen gebacken. Das fertige gelb-gräuliche, von Blasen durchsetzte Brot –
zugegeben, es sieht auf den ersten Blick nicht besonders appetitlich aus – schmeckt leicht nussig und wird mit fortschreitender Fermentierung immer säuerlicher. Der richtige Säuregrad des Injera ist die Quelle endloser Debatten welche leidenschaftlich gepflegt wird.
Auf dem typischen Korbtisch Mesob wird das ausgerollte Brot nun mit verschiedenen Soßen serviert – und genau hier liegt die Vielfalt der äthiopischen Küche. Es gibt unzählige Soßenvarianten: Ragouts (sogenannte Wots) aus Lamm, Ziege, Rind oder Huhn, diverse Fischgerichte, vegetarische Gerichte, Salate oder würzige Linsenbrei-Kombinationen. Häufig werden viele verschiedene Soßen auf einem Teller serviert. Gewürzt wird schließlich alles mit Berbere, einer intensiven Chili-Soße, die jedoch weniger scharf ist als die Äthiopier es einem Glauben machen wollen.
Die großen Nationalspeisen Äthiopiens sind meist Fleischgerichte, von denen eines besonders hervorsticht: Gored Gored – rohes Rindfleisch in kleinen Würfeln! Es mag überraschen, aber in diesem Land mit sporadischer Stromversorgung und ohne Kühlkette wird rohes Fleisch als Delikatesse gegessen. Doch gerade beim Essen wird auf Frische viel Wert gelegt und fast jedes Restaurant beschäftigt einen eigenen Metzger, welcher den Kunden die Wunsch-Fleischstücke direkt vom Rind zubereitet.
Nach dem ersten Bissen, der für Einige eine kleine Überwindung sein mag, wird man nicht mehr genug davon bekommen können. Sollte man doch einmal eine kleine Pause einlegen, kann es passieren, dass man von seinem Nachbarn gefüttert wird – denn als Besucher gilt man als Ehrengast.
Trinken Sie zum Essen einen der äthiopischen Rotweine und nehmen Sie in Anschluss an einer Kaffeezeremonie teil. Buna, wie hier der Kaffee heißt, stammt ursprünglich aus dem äthiopischen Hochland und wächst häufig noch wild. Bei einer solchen Zeremonie wird der gesamte Prozess von der getrockneten Bohne, über die Röstung und Mahlung bis hin zum Aufbrühen vollzogen. Das Ergebnis ist ein Kaffeegeschmack wie man ihn sonst nicht kennt.



Inspirierender Beitrag.Ich habe einige gute Gedankenanstoesse bekommen. Freue mich schon auf weitere Posts zum Thema.