Mit ONE WORLD in Nepal, Teil 1
29.10.10- 21.11.10
Freitag um 5.30 Uhr holte uns Horst Schlehstein mit seinem Taxi ab und es ging zum Flughafen Tegel. Hier gab es schon mal die erste Überraschung. Unsere eigentliche 8 Uhr Maschine war defekt. Da wir zum Glück überpünktlich da waren, gab es eine schnelle Umbuchung auf 7 Uhr. Es hätte sonst mit dem Anschlussflug in Frankfurt etwas trübe aussehen können.
Na es hat dann alles geklappt und wir landeten nach fünfeinhalb Stunden Flug in Bahrain.
Da wir dort einen 15 stündigen Aufenthalt hatten, organisierte die Gulf Air Fluggesellschaft eine Übernachtung in einem schönen Hotel mit einem netten Abendessen und Frühstück. In Bahrain waren 29 Grad. Zum Glück war das Hotel schön gekühlt, so dass wir mit unseren Wanderschuhen nicht all zu sehr ins Schwitzen kamen – Ansonsten passten wir natürlich mit unseren Klamotten schlecht in das gediegene Ambiente.
Krass war natürlich anzusehen wie die in weiß gekleideten Herren mit ihren Kopfbedeckungen mit den völlig in schwarz gekleideten und von oben bis unten verhangenen Frauen dort rumstolzierten. Bei dem sichtbaren Augenmakeup konnte man nur erahnen wie aufgebrezelt sie darunter waren.
Die meisten hatten zwar auch noch ein GUCCI-Täschchen ums Handgelenk baumeln, aber tauschen möchte ich mit ihnen um keinen Preis. Der kurze Eindruck von Bahrain war: Viele Bauten und die die Farbe Grün fehlte einfach fast ganz.
Am nächsten Tag kamen wir nach 1 ½ Tagen Reise in Katmandu gegen 18.30 Uhr Ortszeit an. Da ich unser Visum schon in Berlin organisiert hatte, konnten wir an dieser Schlange vorbeimarschieren. In der Gepäckhalle hat man erst einmal das Staunen bekommen. Hier lagen unzählige Stücke einfach so in der gesamten Halle herum. Wem die gehörten. Keine Ahnung. Unsere drei Gepäckstücke erschienen zum Glück alle auf dem Laufband.
Laut unserem Reisebüro sollten wir mit einem Namensschild vor dem Gebäude empfangen werde. Da standen so ca. 500 Menschen und 300 davon hatten ein Schild mit Namen in der Hand. Wir stellten uns so auf drei Stunden suchen ein, es war ja schon dunkel und die Beleuchtung spärlich. Aber es dauerte nur erstaunliche 10 Minuten und wir wurden gefunden und ab ging es ins Hotel. Noch ein kurzer Rundgang durch Thamel, den Touribezirk, und dann ab ins Bett.
Am nächsten Tag ging es 7-00 Uhr ab in die Berge.
Sonntag, 31.10.10
Pünktlich um 6.30 Uhr wurden wir vorm Hotel abgeholt. Während der Fahrt aus der Stadt hinaus, bekamen wir einen ersten Eindruck von ihr. Wenn man hier länger verweilen möchte, sollte man sich schon einmal einen Rehaplatz in einem Luftkurort reservieren. Der Smog ist unglaublich. Das ist bei dem vielen Verkehr auch kein Wunder.Autos an Autos, dazwischen LKW, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger. Und alles Hupt ununterbrochen. Katalysatoren und Dieselrußfilter gibt es natürlich keine. Die Pflanzen an den Straßenrändern sind grau. Da ist kein grün mehr zu sehen.
200 km hatten wir zu fahren. Normalerweise in zwei Stunden zu bewältigen. Aber nicht in Nepal. Erstens der Verkehr und zweitens die Straßen. Echt toll. Ein Loch, kein Loch, keine Straßenränder, die Asphaltbreite nur 1,50 Meter oder gar kein Belag mehr. Und dann der Fahrstil. Besser man macht die Augen zu. In der Kurve überholen ist die Regel. Auch wenn Gegenverkehr ist. Kommt noch ein Motorrad, wird es einfach angehupt, frei nach dem Motto „ was willst du denn hier, verschwinde!“ alles in allem hat unsere Fahrt sechs Stunden gedauert.
Nach der Ankunft gab es eine 30minütige Wanderung und wir waren beim ersten sogenannten Teehaus im Ort Birethani. Eine helle Freude für jeden verwöhnten Europäer. WC und Dusche auf dem Flur, die Zimmer mit Vorhängeschlössern verschlossen. Da an diesem Tag keine Sonne schien, war das Duschwasser leider kalt. Da half nur noch der warme Schlafsack.
Birethani ist ein kleines nettes Bergdorf, das Ausgangspunkt für Touren ins Annapurnagebiet ist. Neben dem Everest das Wandergebiet, in dem auch Normalsterbliche schöne Wanderrouten finden. Hier gibt es neun Gipfel die über 7000 Meter hoch sind. Der Annapurna I ist mit „nur“ 8091 Meter der Höchste, aber schwerer zu erklimmen als der Mount Everest. Aber so hoch wollten wir ja gar nicht. Die Region steht unter Schutz und jeder muss beim betreten einen Obolus entrichten. Das Geld wird für verschiedene Projekte in der Region verwendet. Z.B. die Unterstützung der Wideraufforstung und der Erzeugung von Energie durch Solar und Wasserkraft.
Montag , 1.11.2010
Nach dem Frühstück ging es um 7.00 Uhr los. Unser Führer hieß Autar Sing und unser Träger Lakpa. Ohne Träger wandert praktisch hier niemand. Man muss sich auch keine Gedanken darüber machen. Mit diesem Job ernähren sie ihre Familien. Andere Arbeit gibt es für diese Menschen hier nicht.
Wir sind also bei strahlendem Sonnenschein losgelaufen. Unsere Strecke sollte 9 Stunden lang sein. An für sich ja kein Problem. ABER!!! Was wir nicht wussten, die Berge werden hier per Treppen bezwungen. Keine schön genormten mit Geländer, sonder Natursteine. Diese haben unterschiedliche Längen, Breiten, Höhen, Tiefen und sind bunt gemixt angeordnet. Teilweise geht das zwei Stunden hintereinander so. Echt krass! Da ist man irgendwann breit.
Unterwegs ist die Landschaft sehr abwechslungsreich. Man wandert durch Terrassenfelder mit Kartoffeln, Gerste und Buchweizen, vorbei an schmucken Bergdörfern und durch urige Wälder. Hier wachsen riesige Rhododendrenbäume und Bambus.
Um den Getränkenachschub muss man sich keine Gedanken machen. Unterwegs bieten überall kleine Hütten etwas an. Nachdem wir an diesem Tag 16 km gelaufen und 2044 Höhenmeter überwunden haben, meine unser Führer, dass wir dringend eine Pause benötigen und wir haben unsere Übernachtung vorverlegt. Wir hielten an einer Lodge für Einheimische an und waren dort die einzigsten Gäste. Wir fanden hier ein Steh- WC und eine kaputte Dusche vor. Licht gab es in diesem super Bad auch nicht. Die Herbergsmutter brachte uns aber heißes Wasser, das wir zähneklappernd verbrauchten. Zähneputzen gab es mit Stirnlampe vor der Tür. Mehrere heiße Tees, aufgefüllt mit mitgebrachtem Whisky wärmten von innen. Wenn man bedenkt, dass die Menschen hier nichts anderes kennen und immer so leben, kann man sich mal wieder glücklich schätzen, welchen Luxus wir zu Hause haben.
Dienstag, 2.11.2010
Nach einem bescheidenen Frühstück ging es wieder auf die Wanderstrecke. Die Sonne schien, wir tauten langsam auf und alles war gut. Nach der Hälfte der heutigen Strecke sollten wir bei 3000 Metern den Grad erreicht haben und die Berge sehen können. Das Wetter machte aber einen dicken Strich durch unsere Planung. Oben waren nur dicke Wolken zu sehen. So ein Mist!
Unser heutiges Ziel war Ghorepani. Ein Ort, der Anlaufpunkt für Trekker aus allen Richtungen ist. Unser Teehaus hatte sogar eine Dusche mit warmen Wasser. Dieser Luxus kostete ganze 60 cent extra pro Duschgang. Egal, wir haben zugeschlagen und mussten aufpassen uns nicht alles zu verbrennen. Das heiße Wasser kam aus einem Gasboiler und lies sich nur sehr schlecht regulieren. Was solls, da muss man halt durch.
Dafür gab es in dem Ort eine Deutsche Bäckerei, die von Nepalesinnen geführt wurde. Da haben wir uns ein schönes Stück Apfelkuchen gegönnt. War lecker. Im Essensraum unseres Teehauses stand in der Mitte ein Eisenofen, wo man sich aufwärmen konnte. Ringsherum gab es eine Leine, wo auch endlich einmal unsere Handtücher trocknen konnten. Also, alles war gut.
Mittwoch, 3.11.2010
Heute sollte das Großereignis unserer Wanderung stattfinden. Der Sonnenaufgang auf dem Poon Hill. Dafür musste man um 5 Uhr früh loslaufen. Thomas hat sich am Abend noch einen Schnupfen zugelegt, die ganze Nacht geschnieft und ist im Schlafsack geblieben. Also bin ich alleine mit unserem Guide losgelaufen. Wobei alleine nicht ganz der Wahrheit entspricht. Neben mir gab es noch hunderte andere Verrückte, die mit Stirnlampe, Wanderstöcken, Handschuhen und Mütze bewaffnet 475 Meter in die Höhe bis auf den 3200 Meter hohen Gipfel stiegen. Alle vereinte die Hoffnung auf den spektakulären Sonnenaufgang. Ob der wirklich kam, war ungewiss. Nach dem Wetter vom Vortag, am Abend regnete es auch noch in Strömen, hatte ich leise Zweifel.
Das Glück war uns aber hold. Der Sonnenaufgang kam sichtbar. Langsam tauchten die Berge aus der Dunkelheit auf. Das war schon grandios! Bei heißem Tee, den es natürlich oben zu kaufen gab, bekam man auch keine Frostbeulen. Danach kam der Abstieg und das Frühstück wartete schon. Anschließend wanderten wir zu unserer letzten Station bei strahlendem Sonnenschein. Zwar erwarteten uns wieder die „Superstufen“ aber auch schöne Hängebrücken.
In unserem Teehaus in Hele hatten wir eine richtige „Luxusunterkunft“ mit eigenem WC und eigener Dusche. Das trieb gleich den Übernachtungspreis in die Höhe. Kostet sonst das Zimmer ca. 3 €, waren es hier ganze 5€.
Donnerstag, 4.11.2010
Heute ging unsere Wanderung zurück nach Birethani wo wir mit dem Auto abgeholt worden sind. Am Nachmittag kamen wir in Pokhara an, der zweitgrößten Stadt Nepals . Unser Hotel war natürlich nun der pure Luxus. Auch wenn wir nicht so genau wussten, ob die Zimmer neben uns nun abgerissen oder erst gebaut werden. Bei einem kleinen Bummel konnten wir uns wieder an mehr Menschen gewöhnen. Am nächsten Tag ging es zurück nach Katmandu.
Trekkingfazit
Es war eine schöne Erfahrung, einen Teil des Landes und seiner Menschen so kennen zu lernen. Sie sind alle freundlich und hilfsbereit. Der Tourismus gehört mit zu ihren Einkommensquellen. Wenn auch nur für eine kurze Zeit des Jahres. Ihre Lebensumstände sind mehr als bescheiden. Im Gegensatz zu Katmandu und Umgebung sieht es aber überall sauber und ordentlich aus. Das liegt sichere zum Einem daran, dass es Multikulti hier nicht gibt und zum Anderen, dass die Menschen hier von und mit der Natur leben.
Die Begegnung mit anderen Trekkern war immer nett und interessant. Die Mehrheit von ihnen sind Franzosen gefolgt von Südkoreanern und Amerikanern. Deutsche haben wir selten getroffen. Im Übrigen sind beim Trekken alle Altersklassen vertreten. Also auch welche die älter sind als wir.
Die Natur ist faszinierend, aber auch das völlig andere Wandern als bei uns im Gebirge. Wenn ich jünger wäre, würde ich noch weiter ins Gebirge hineingehen wollen. Aber dafür benötigt man dann schon Zelte und das möchte ich nun doch nicht mehr haben.
Die Einheimischen und die Träger haben wir immer wieder bewundert. Sie gehen mit einer Leichtigkeit die Berge hoch und runter, faszinierend. Vor allem auch die Träger. Sie schleppen die Lasten auf ihrem Rücken, singen dabei und vergießen keinen Tropfen Schweiß. Wenn man sich ihr Schuhwerk ansieht, denkt man oh meine Güte. Hier gibt es keine erprobten Wanderschuhe mit Luftpolsterung sondern in den meisten Fällen einfache Schlappen.
Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass man durchaus in dieser Wildnis ohne den üblichen Standard überleben kann. Sicher immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es ja nicht für immer ist. Das erleichtert vieles, das stimmt. Aber man erinnert sich auch einmal wieder, welch selbstverständlichen Luxus man zu Hauseso hat. Sei es das Wasser, die Dusche oder den Strom aus der Steckdose.
Das Essen ist unterwegs einfach und den einheimischen Essgewohnheiten angepasst. Es gibt überall dasselbe Angebot.Die Speisekarten sind vom Tourismusbüro erarbeitet und liegen überall gleich aus. So wird sichergestellt, dass die erzeugten Produkte vor Ort auch ihre Abnehmer finden. Alles andere muss ja per Rücken oder Muli rangeschleppt werden.
Eines darf man hier niemals vergessen: Das Toilettenpapier! Es ist Selbstversorgungsartikel. Zum Glück gibt es das auch auf dem Berg zu kaufen.











