Die Klosterfeste in Bhutan
Das kleine Königreich Bhutan, dessen Name poetisch übersetzt „Land des Drachen“ bedeutet, befindet sich mitten im Himalaja zwischen Indien und der Autonomen Region Tibet (China). Nicht zuletzt träht diese geografische Lage zu seiner Abgeschiedenheit von der westlichen Welt bei. Mit rund 90 Prozent, stellt die Landswirtschaft den größten Teil der Wirtschaft da. Der Haupthandelspartner Bhutans ist Indien, wohin vor allem Zement, Holz, Strom und landwirtschaftliche Produkte exportiert werden.
In Bhutan, einem der religiösesten Länder der Erde, steht die Erhaltung der Traditionen und des buddhistischen Glaubens, der Staatsreligion, im Vordergrund. Als einziges Land der Welt, hat Bhutan den Mahayana-Buddhismus in seiner tantrischen Form als offizielle Religion anerkannt. Zentraler Aspekt der Religion ist die tiefe Anbetung Buddhas, Guru Rinpoches und aller Gottheiten des tantrischen Pantheons einschließlich der einheimischen Götter. Religiöse Meister und Mönche werden vom Volk ebenfalls verehrt. Alten Bräuchen folgend wird auch heute noch die Tradition des Bogenschießens weiter gepflegt. Zum bhutanischen Neujahr, dem „Losar“, finden viele Wettbewerbe zwischen verschiedenen Dorfteams statt. Die Gegner lassen Astrologen für gutes Gelingen zaubern und verbringen, ganz nach altem Brauchtum, die Nacht davor zusammen im Wald. Es ist kaum vorstellbar, dass ein größeres Fest ohne eine Schießpartie stattfindet.
Unzählige Gebetsfahnen und Gebäude belegen die Bedeutung dieses Glaubens. So gibt es zahlreiche Chorten (in Sanskrit: Stupa) im Land, Behälter für Opfergaben, die in Himalaja-Ländern das Bewusstsein Buddhas symbolisieren und somit als heilige Orte angesehen werden. Zum Zeichen der Ehrerbietung und um den Gläubigen Verdienst zu bringen, werden sie immer im Sonnensinn umrundet. Zur Meditation werden zudem Mandalas erstellt, in dessen Zentren sich eine Gottheit befindet, mit der sich der Meditierende identifizieren sollte, nachdem er die verschiedenen im Mandala vorgegeben Stufen überwunden hat. Manche Mönche spezialisieren sich auf die Herstellung dieser Mandalas, die jeweils unterschiedliche Gottheiten darstellen.
Zu Ehren Buddhas finden jährlich zahlreiche heilige Zeremonien in den Klosterburgen, den so genannten Dzongs, statt. Im früheren feudalistischen System waren diese Dzongs sowohl religiöses Zentrum als auch Sitz der Verwaltung des jeweiligen Distrikts. Daher besteht jede dieser Festungen aus einem religiösen und einem weltlichen Teil.
Die Klosterfeste, namens Dromche oder Tschechu, unterscheiden sich von Kloster zu Kloster in ihren Inhalten, Auslegungen und den Göttern, die angebetet und gefeiert werden. Die meisten Feste erinnern an die Taten Buddhas oder anderer buddhistischer Meister, wie zum Beispiel dem Guru Rinpoche. Feste sind außerdem soziale Veranstaltungen: Anlässe zusammenzukommen, zu reden, spielen und gemeinsam zu essen. Am wichtigsten sind die Tshechus, die an die großen Taten des Tantrameisters Guru Padmasambhava aus dem 8. Jahrhundert erinnern. Festivals in den kleineren Orten sind nicht so groß und bekannt wie die in Thimpu oder Wangdue, aber oft authentischer. Einige Tshechus schließen auch Wang, eine Massensegnung durch einen hochrangigen Mönch, ein. Dem Glauben zu Folge hilft die Anwesenheit bei diesen Festivals alte, vergangene Sünden wegzuwaschen.
Während der mehrtägigen Festivals finden Maskentänze, traditionelle Gesänge und Schauspiele statt. Überall finden sich Familien zu Picknicks unter freiem Himmel zusammen. Auch Spiele finden überall statt. Sowohl Mönche als auch Laien führen die Tänze als Art der Meditation auf und versuchen dabei die dargestellte Gottheit zu personifizieren. Maskiert und in kunstvolle Kostüme aus Seidenbrokat gehüllt, demonstrieren die Tänzer den Triumph von Gut über Böse und die Macht des Mitgefühles zu den packenden Klängen von Trompeten, Becken und Flöten. Die Tänze sind mit Volksliedern und Clownereien durchsetzt, während üppige Mengen Buttertee und starkes Gerstenbier getrunken werden.
Es gibt eine Vielzahl religiöser, „Cham“ genannter Tänze während des Festivals. Die Tänzer tragen spektakuläre Kostüme aus gelber Seide oder reich besticktem Brokat, häufig mit Ornamenten aus geschnitzten Knochen verziert. Für bestimmte Tänze werden Masken getragen, die verschiedene Tiere, gefürchtete Gottheiten oder einfach Personen darstellen. Die Tänze können in 3 Kategorien eingeteilt werden: (I) Lehrreiche (didaktische) Tänze, (II) Tänze, die einen Ort vor Dämonen reinigen und schützen, (III) Tänze, die den Sieg des Buddhismus verkünden. Kampfgesänge gehören ebenfalls zu dem Spektakel.
Die Tänze, Masken und Kostüme von Bhutans Festivals blieben über hunderte Jahre unverändert. Jeder Tanz ist die genaue Nachstellung von Visionen der großen bhutanesischen buddhistischen Heiligen und so wäre jede Änderung frevlerisch. Heute bleibt dieses wunderschöne und heilige Festival eine großartige Manifestation des religiösen Glaubens, der immer noch ein entscheidender Bestandteil des täglichen bhutanesischen Lebens ist. Außerhalb der Klosterfeste dürfen die Dzongs von Reisenden nicht betreten werden.
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Tolle Seite, gefaellt mir.