CSR – Corporate Social Responsibility – Was ist das eigentlich?

Das Standardwerk zur näheren Definition des Terminus CSR ist das 2001 verabschiedete Grünbuch der Europäischen Kommission zu CSR mit dem Titel „Promoting a European Framework for Corporate Social Responsibility“. Danach definiert die Europäische Union CSR als:

“[…] ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in ihre Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“ (Europäische Kommission, 2001, S. 7.)

Besonders hervorgehoben wird die Freiwilligkeit im CSR-Konzept, welches zu ganzen Teilen in die unternehmerische Performance einzubinden ist. Damit ist CSR Aufgabe der Unternehmensführung und als erheblicher Bestandteil von Unternehmensstrategien und -leitbildern anzusehen.

Weiterhin zu betonen ist, dass das Konzept der gesellschaftlichen Verantwortung kein Ersatz für bestehende oder die Entwicklung neuer Vorschriften ist.

CSR ist demnach die freiwillige Verpflichtung von Unternehmen „in Humankapital, in die Umwelt [und] in die Beziehungen zu anderen Stakeholdern“ zu investieren. (Vgl. Curbach, 2009, S. 25).

CSR im Tourismus

Touristische Produkte zeichnen sich durch eine besonders komplexe Wertschöpfungskette aus. Unternehmen und Personen in meist mehreren Ländern sind an der Erstellung der touristischen Dienstleistung beteiligt.  Es handelt sich bei der touristischen Wertschöpfung also um ein dreigliedriges System, von dem im Idealfall alle Beteiligten profitieren sollten.

Das touristische Unternehmen hat im Sinne des CSR-Konzepts eine Verantwortung gegenüber dem Kunden zur Einhaltung der Kriterien eines nachhaltigen Tourismus sowie zu einer ehrlichen und transparenten Beratung über die Reiseprogramme und das Reiseland zu übernehmen. Voraussetzung dafür ist, dass Unternehmen in einen Dialog mit den Kunden und Stakeholdern treten.

Am Unternehmensstandort sind ökologische Rahmenbedingungen einzuhalten, die sich über das Bürogebäude sowie die Büroausstattung strecken. Auch die Katalogproduktion muss möglichst ökologisch erfolgen. Gegenüber den
internen Stakeholdern, also den Mitarbeitern, sind sozial faire Arbeitsbedingungen herzustellen, die eine angemessene und existenzsichernde Bezahlung sowie Schulungen und Weiterbildungsangebote umfassen.

Ebenso muss die Organisation der gesamten Reise innerhalb gewisser Kriterien stattfinden. Im Bereich der An- und Abreise in das Zielgebiet sind generell umweltschonende Transportmittel zu bevorzugen, sofern diese den Kunden in finanzieller und zeitlicher Hinsicht zumutbar sind. Grundsätzlich sind Kunden auf die ökologischen Auswirkungen hinzuweisen und CO2-Kompensationszahlungen im Rahmen von atmosfair anzubieten. Urlaubslänge, Reisezeit und Entfernung sind in ein ökologisch vertretbares Verhältnis zu bringen.
Im Zielgebiet ist eine Minimierung der ökologischen Auswirkungen durch die Reise anzustreben. Dies geschieht durch eine umfassende Sensibilisierung der Kunden und bewusstem Verhalten in ökologisch sensiblen Gebieten. In die Planungs- und Durchführungsphase der Reise ist die einheimische Bevölkerung mit einzubeziehen und
eine Teilhabe an den wirtschaftlichen Erträgen sicherzustellen. Lokale Incoming-Agenturen sind daher zu bevorzugen. Ebenso sind die Reisenden auf die Bedingungen vor Ort und kulturelle Unterschiede einzustellen. Dabei ist ein kultureller Austausch zwischen Reisenden und Bereisten anzustreben.
Eine sorgfältige Auswahl der Unterkünfte im Reiseland ist ebenfalls Voraussetzung für einen nachhaltigen Tourismus. Grundsätzlich sind lokal- und inhabergeführte Beherbergungsbetriebe zu wählen, die durch Architektur und Bauweise der Region angepasst sind. Diese haben ökologische Standards zur Energieversorgung und
Abfallentsorgung zu achten. Die Mitarbeiter arbeiten unter sozial fairen Arbeitsbedingungen und erhalten eine existenzsichernde Entlohnung.

Intern und extern sind also drei Grundprinzipien für die CSR-Handlungsfelder erkennbar:
ökologisch vertretbar, ökonomisch langfristig ergiebig und sozial gerecht.

Der Evangelische Entwicklungsdienst hat die zentralen Punkte für die Übernahme gesellschaftlicher
Verantwortung im Rahmen des CSR-Konzeptes im Tourismus zusammengefasst:

  • Inhaltlicher Schwerpunkt sind Menschenrechte, Arbeitsnormen und eine Partizipation der lokalen Bevölkerung im Urlaubsland.
  • CSR muss über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen. Die ledigliche Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen zu Menschenrechten, Arbeitsnormen oder Kinderschutz sind nicht Bestandteil von CSR, sondern als Selbstverständlichkeit anzusehen.
  • CSR besteht nicht aus einzelnen wahllosen Aktionen, sondern ist als Bestandteil in die Unternehmensstrategie aufzunehmen und Leitbild für das Handeln des touristischen Unternehmens. Auch Geschäftspartner, Zulieferer und Agenturen in den Destinationen haben die Grundsätze anzuerkennen und nach diesen zu agieren.
  • Aktivitäten müssen in Form eines CSR-Berichts für Verbraucher transparent gemacht werden.

 

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